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Die Schnelllebigkeit der freien Zeit

August 26th, 2010 Posted in Freizeitgestaltung

Wenn sich der moderne Mensch des 21. Jahrhunderts mit der eigenen Freizeitplanung beschäftigt, wird die ursprüngliche Fragestellung „Wie verbringe ich meine freie Zeit‟ immer häufiger durch die wesentlich zentralere Frage „Wie lange habe ich freie Zeit zur Verfügung?‟ abgelöst.

Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat nun in einer Studie erhoben:
Von den 24 Stunden, welche wir pro Tag zur Verfügung haben, befinden wir uns durchschnittlich 15 Stunden und 45 Minuten im Wachzustand. Nun gut, welchen Begriffsbestimmungen der Zustand „wach‟ unterliegt, sei bei manchen ZeitgenossInnen einmal dahingestellt und dementsprechend nicht Gegenstand unseres Themas. Diese knapp 16 Stunden wiederum werden jedoch nur noch in zwei Kategorien unterteilt. Kategorie eins beinhaltet jene Zeit, welche wir medienlos verbringen und Kategorie zwei ist jener erhobene Zeitraum, welchen wir tagtäglich den elektronischen Medien und unserer Kommunikation opfern.

Betrachten wir also den heutigen Homo sapiens, jenes dem Kommunikations- und Medienwahn verfallene Lebewesen höherer Ordnung. Ich habe bereits vor einiger Zeit einen Artikel innerhalb einer mehrteiligen Artikelserie verfasst, welcher den Titel „Homo cyberspace – die Gefahr Internet‟ trug, welcher eigentlich nur eine Bestätigung dieser Studie ist. Wir verbringen sage und schreibe von jenen fast 16 Stunden unserer aktiven Tagesgestaltung sieben Stunden und fünf Minuten damit, unsere Zeit mit telefonieren, fernsehen, Radio hören, Emails abrufen und schreiben und im Internet surfen mehr oder weniger totzuschlagen.

Sieben Stunden triviale Fernsehberieselung, soziale Netzwerke wie Facebook und meist belanglose und nervtötende Werbemails lesen. Sieben Stunden jener 24 Stunden des Tages entsprechen in etwa 30 Prozent unseres einmaligen Lebens. Wir haben uns zu Sklaven unserer omnipräsenten Mediendekadenz herabgearbeitet. Hörig treibt uns der Klingelton unseres Handys zur grünen Taste, lustwandelt verlockend in unseren Gehörgängen, lässt uns wankelmütig werden zwischen unbeantwortetem Anruf und der permanenten Erreichbarkeit. Jede Email wird uns auf dem goldenen Tablett serviert. Elektronische Butler stolzieren über den Bildschirm und servieren uns unsere längst erwarteten Sehnsüchte, laut hallen ihre Schritte nach, wollüstige Diktatoren und Bindeglieder zwischen Konsument und Onlineshop.

Unsere Freunde auf Facebook schreien virtuell durch die Stille unserer Zimmer, klagen uns des Hochverrates an, wenn wir einen einzigen Tag nicht auf jener Plattform des Lebens erscheinen. Wir werden stündlich geadded, schlängeln uns mit unseren selbst erstellten Profilen durch sämtliche Kontinente, ohne zu wissen, wo sich die Ausgänge aus diesem Labyrinth befinden. Wir bieten und biedern uns selbst Tag und Nacht durch bunte und perfekt gestylte Avatare an, Wunschvorstellungen unserer ungelebten Träume, welche wir unerkannt unserem Gegenüber in die gierigen elektronischen Zellen werfen.

No exit, Homo cyberspace! No way out, Homo sapiens! Wir haben uns zu Gefangenen unserer virtuellen Welten entwickelt. Schöne neue freie Zeit!

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